Mietwucher-App startet in Erlangen: Zahlst du zu viel?- Mach den Check

Die Mieten in Erlangen steigen seit Jahren rasant. Für viele Menschen wird Wohnen zunehmend zur finanziellen Belastung. Ab sofort können Mieter*innen in Erlangen prüfen, ob ihre Miete illegal überhöht ist: Die Mietwucher-App der Linken im Bundestag ist nun auch für Erlangen freigeschaltet und unter www.mietwucher.app erreichbar.

Der Start der App legt zugleich ein strukturelles Problem offen: Erlangen verfügt bislang über keine eigene Meldestelle für Mietwucher. Das geht aus der Antwort der Stadt auf eine Anfrage der Erlanger Linken hervor. Dabei zeigen bundesweite Zahlen, wie dringend Handlungsbedarf besteht: Rund 220.000 Menschen haben die App bereits genutzt, in etwa zwei Dritteln der Fälle lag eine unzulässig hohe Miete vor.

„Gerade in Erlangen mit seinem  angespannten Wohnungsmarkt erleben viele Menschen, dass sie kaum Alternativen haben und überhöhte Mieten zahlen“, erklärt Ronja Wegele, Vorsitzende der Linken in Erlangen. „Mietwucher ist kein Randphänomen, sondern trifft Erwerbstätige, Studierende, Alleinerziehende, Rentner*innen und Familien gleichermaßen. Dass die Stadt bisher keine Meldestelle hat, ist ein ernstes Versäumnis.“

Stadtrat Lukas Eitel bestätigt dies aus seiner praktischen Arbeit:
„In meinen Sozialsprechstunden berichten mir immer wieder Menschen, dass sie einen Großteil ihres Einkommens für die Miete ausgeben müssen. Viele haben das Gefühl, nichts tun zu können, aus Angst vor Ärger mit dem Vermieter oder weil sie nicht wissen, dass überhöhte Mieten illegal sein können. Genau hier setzt die Mietwucher-App an: Sie schafft Klarheit und senkt die Hürde, sich zu wehren.“

So funktioniert der Mietwucher-Check:
Mieterinnen geben lediglich Miethöhe, Wohnungsgröße und Angaben zur Ausstattung ein äquivalent zum Mietspiegel. Liegt die Miete mehr als 20 Prozent über der ortsüblichen Vergleichsmiete, handelt es sich um eine Ordnungswidrigkeit, bei über 50 Prozent sogar um eine Straftat. Zuständig für das weitere Vorgehen ist die Stadt, nicht die betroffenen Mieterinnen. Sie kann Bußgelder verhängen und Mietsenkungen anordnen.

„Der Wohnungsmarkt darf auch in Erlangen kein rechtsfreier Raum sein“, so Eitel weiter. „Andere Städte wie Frankfurt am Main zeigen, dass konsequentes Vorgehen wirkt. Dort wurden hunderte Fälle verfolgt und hohe Rückzahlungen für Mieter*innen durchgesetzt. Dieses Instrument muss auch hier genutzt werden.“

Die Linke in Erlangen fordert daher erneut die Einrichtung einer städtischen Meldestelle für Mietwucher, damit Hinweise systematisch erfasst und verfolgt werden können. Der Start der Mietwucher-App sei ein wichtiger erster Schritt  könne aber das kommunale Handeln nicht ersetzen.

„Solange die Mieten weiter steigen, brauchen Mieter*innen konkrete Unterstützung“, sagt Wegele abschließend. „Die Mietwucher-App hilft ganz praktisch. Jetzt ist die Stadt Erlangen gefragt, Verantwortung zu übernehmen und geltendes Recht konsequent durchzusetzen.“