Hartz IV: Mythen und Fakten
Beim ihrem ersten Treffen in diesem Jahr hat die AG Soziales im KV Erlangen/Erlangen-Höchstadt die Ziele für die nächsten Monate festgelegt. Sobald es die Pandemie erlaubt, soll ein offener Treff für Hartz-IV-Empfänger eingerichtet werden. Außerdem ist geplant, eine öffentliche Informationsveranstaltung über Fakten zu Hartz VI (Bürgergeld) und die Vorurteile über Empfänger von Transferleistungen (z.B. Bürgergeld, Sozialhilfe) zu veranstalten. Diesem Thema wollen wir hier kurz vorgreifen.
Spricht man mit Mitbürger*innen stellt man oft fest: Die Vorurteile über Hartz-IV-Bezieher*innen sind in den Köpfen der Menschen fest verankert. Der Paritätische Gesamtverband und Sanktionsfrei e.V. beauftragte das Markt- und Meinungsforschungsinstitut Forsa zu diesem Thema eine repräsentative Umfrage durchzuführen. Das Ergebnis war so eindeutig wie ernüchternd:
• „Hartz-IV-Empfänger wollen gar nicht arbeiten“ sagen 31% aller Befragten
• „Hartz-IV-Empfänger sind bei der Jobauswahl zu wählerisch“ sagen 45% aller Befragten
• „Hartz-IV-Empfänger haben nichts ´Richtiges´ zu tun sagen“ 51% aller Befragten
• „Wer Arbeiten möchte, findet einen Job“ sagen 65% aller Befragten
Diese Meinungen der Befragten zeigen den Mangel an Information über Bezieher*innen von
Hartz-IV. Dazu kommt, dass auch unsere gewählten Volksvertreter ein finsteres Bild über Empfänger von Hartz-IV schüren. In der Ausgabe der „Abendpost“ vom 15.08.2020 sind Aussagen von Politiker/innen zu Hartz-IV-Bezieher*innen erschienen. Hier einige Beispiele:
• Stephan Stracke (CSU): „Erwerbslose seien faule Krippel“
• Oliver Möllenstädt (FDP): „Die Empfängerinnen das Geld eher in den Schnapsladen tragen, als in die Vorsorge und selbstbestimmte Familienplanung zu investieren“
• Christine Hämmerling (Grüne): „Hartz-IV-Empfänger könnten als Hundekontrolleure eingesetzt werden“
• Frank Müntefering (SPD): „Wer nicht arbeitet, soll auch nicht essen“ (Nazispruch von Adolf Hitler)
Quelle: Abendpost vom 15.08.20
Doch wie sieht es in der Realität aus? 2019 gab es rund 5,8 Millionen Hartz-IV-Bezieher, 2 Millionen davon Kinder und Jugendliche. D.h. tatsächlich erwerbsfähig sind 3,8 Millionen. Von diesen 3,8 Millionen Hartz-IV-Empfängern sind rund 2,2 Millionen gar nicht arbeitslos. Sie sind erwerbstätige Aufstocker, pflegen Angehörige oder erziehen Kinder. Knapp 400.000 gehen zur Schule oder machen eine Ausbildung. Schon 2017 hatte sich in einer Analyse des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung gezeigt, dass die Mehrheit aller Arbeitslosen sogar Löhne unterhalb des Mindestlohns oder nahe daran akzeptieren würden. Fast alle Befragten wollen arbeiten.
Quelle: hartzfacts.de
Wer gerne in der AG mitarbeiten möchte (auch Nichtmitglieder sind herzlich eingeladen) meldet sich an info@die-linke-er.de

