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Josephine Taucher

„Ach, das hätte ich von dir aber nicht gedacht!“

Am Sonntag war „Coming-Out Day 2020”. Das klingt im ersten Moment nicht mal mehr so spektakulär – wir haben ja schließlich 2020 und da ist doch normal, müsste man meinen?

Aber ist es das wirklich? Aus dem ursprünglichen Ansatz „schreibt mal jemand einen Post dazu!“ ist eine Diskussion entstanden, ob man das Thema überhaupt angreifen solle.

Coming-Outs polarisieren

Sind sie heutzutage immernoch schwer?

Sind sie leichter geworden?

Werden sie immer schwer sein?

Und die zentrale Frage: Sind sie heute eigentlich noch nötig?

So gerne wir letzteres mit „eigentlich nicht. Jede Person sollte einfach so sein dürfen, wie sie eben ist!“ beantworten möchten, sieht die Realität anders aus. Zumindest für viele: Noch immer kann ein Outing an der falschen Stelle Ausgrenzung bedeuten - am Arbeitsplatz, im Freundeskreis, im Sportverein. Daher ziehen es viele vor, es einfach nicht zu tun, denn wozu auch: Man sieht es gerade homo- oder bisexuellen Menschen ja nicht an.

Anders verhält sich das bei Menschen, deren Outing sich auf das Geschlecht bezieht: Denn dieses kann man nicht zu Hause leben, wo es niemand sieht. Im Gegenteil – man zeigt es frei nach außen. Manche schaffen es zwar durch Anpassung diesen Zustand bei fremden Menschen zu überwinden, aber so ganz ohne Outing im Bekanntenkreis ist dies nicht zu schaffen. Und da bleibt dann doch zu wünschen, dass man im Jahr 2020 auf mehr Verständnis trifft.

Aber wie erreicht man das? Durch Wissen – je mehr Menschen über queere Themen wissen, desto normaler gehen sie damit um.

Woher bekommen Menschen Wissen? Dadurch, dass sie Dinge kennenlernen.

Und wie lernen sie queere Themen und queere Menschen kennen? Dadurch dass sich jemand outet und man das nach außen trägt.

Dieser ewige Dualismus zwischen „Aufklärung“ und „Unsichtbarkeit“ ist für viele Betroffene ein heikles Thema. Aktuell sind wir noch nicht an einem Punkt angekommen, an dem man den erreichten Status quo schon als ausreichend ansehen kann. Deswegen wird es weiterhin Menschen brauchen, die nach vorne gehen. Auch auf das Risiko hin sich dafür outen zu müssen. Das bedeutet aber nicht, dass dies alle queeren Menschen machen müssen. Es ist durchaus okay einfach nur leben zu wollen.

Da wir als Kreisverband etwas dazu beitragen wollen oder zumindest queere Menschen und Unterstützer*innen zusammenbringen wollen, veranstalten wir am Samstag um 19 Uhr im Angerwirt unseren ersten Versuch eines queeren Stammtisches. Wir freuen uns auf euch!